Worüber ich mir als 28-jähriger Sorgen mache
Neulich hat mir ein Kumpel eine Sprachnachricht aus Kanada geschickt. Beruflich ist er gerade drüben. Er erzählte, dass er mit seiner Airbnb-Gastgeberin ins Gespräch gekommen ist. Sie meinte, mit über 30 beginne noch einmal eine heiße, letzte Phase des Erwachsenwerdens. Sozusagen die Zugabe, bevor man richtig angekommen ist.
Das hat mich ziemlich nachdenklich gemacht. Ich bin zwar noch keine 30, aber 28 ist ja auch kein ganz unbeschriebenes Blatt. Und während ich das hörte, merkte ich, dass ich immer häufiger über das Leben nachdenke. Vielleicht anders als früher, vielleicht ernster, vielleicht einfach nur ehrlicher. Jedenfalls gibt es da ein paar Sorgen, die mich begleiten.
Bilder: Vanessa Thiel
Text: Mister Matthew

Einblick in meine Gedanken: Worüber ich mir als 28-jähriger Sorgen mache
Grundlegend ist zu sagen, dass es mir gut geht und ich glücklicherweise ein recht sorgenfreies Leben führen darf. Doch mit Komfort, privaten Errungenschaften und Privileg kommen auch Zeit und Raum, die Dinge manchmal etwas dunkler zu sehen. Dabei muss dies gar nichts Schlechtes sein. Denn häufig sieht man durch Sorgen erst recht, was man eigentlich so alles hat. Zum Beispiel seine Eltern, immer noch.
Meine Sorge über die Vergänglichkeit der Eltern
Meine Eltern sind inzwischen über 60. Natürlich noch fit, natürlich noch da, aber eben auch nicht mehr so selbstverständlich wie früher. Man merkt plötzlich die kleinen Veränderungen.
Gespräche drehen sich öfter um Arzttermine und die Vergangenheit, statt um die Zukunft. Und ich merke dabei, wie zerbrechlich das alles ist. Die Vorstellung, dass sie nicht für immer so bleiben, wie ich sie kenne, ist eine Sorge, die mit den Jahren lauter geworden ist.
Meine Freundschaften im Wandel
Mit 18 war Freundschaft noch ein Selbstläufer: Schule, Uni, Homeparty. Irgendwie war immer jemand da, kennengelernt zu werden. Im Alter wird diese Gelegenheit dünner. Und auch wenn ich gerne und viel ausgehe, frage ich mich: Ist das dann mit 48 Jahren auch noch cool?
Generell ist es heute komplizierter. Manche Freunde heiraten, andere ziehen in weit entfernte Städte, wieder andere sieht man nur noch auf Hochzeiten oder über WhatsApp-Gruppen, die ohnehin schon ausgestorben sind. Ich sorge mich manchmal, ob ich am Ende nur noch eine Handvoll Menschen habe, mit denen ich wirklich tief verbunden bin. Das ist nichts Schlechtes, aber dennoch etwas, worüber ich mir als 28-jähriger Sorgen mache.
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Worüber ich mir als 28-jähriger aber vor allem Sorgen mache? Verpasste Chancen!
Es gibt Tage, da frage ich mich: Hätte ich mehr reisen, waghalsiger sein sollen, Jobs ausprobieren, die gar nicht zu mir passen? Ist es zu spät, mit 28 noch einmal alles auf links zu drehen? Diese Gedanken sind manchmal leise, manchmal laut. Nicht aus Reue, sondern eher aus der Angst heraus, dass irgendwann ein Punkt kommt, an dem es wirklich zu spät ist. Denn die Zeit rast.

Das Zeitgefühl
Als Teenager war ein Jahr eine halbe Ewigkeit. Mit 28 fühlt sich ein Jahr an wie ein verlängertes Wochenende. Geburtstage rauschen vorbei, Sommer sind kürzer, Winter dafür doppelt so lang. Dieses Gefühl, dass die Zeit schneller läuft, als man sie aufhalten kann, ist beunruhigend. Manchmal denke ich, das Leben ist ein Film, bei dem man plötzlich merkt, dass man schon bei Minute 40 angelangt ist und der Abspann nicht mehr so weit weg ist, wie man glaubt.
Einerseits möchte ich im Jetzt leben, denke aber viel zu viel über die Zukunft nach. Und auch die Vergangenheit lässt mich nicht los. Ich musste ein bisschen schmunzeln, als Anna Wintour im The New Yorker über ihre neue Era sprach und meinte, wir denken und leben viel zu viel in der Vergangenheit. Recht hat sie. Doch warum muss die Zeit auch so schnell verstreichen?
Heimat und Wurzeln: Heute Hamburg, London oder New York? Oder doch niemals?
Ich wohne immer noch in meiner Heimatstadt Dresden. Und das schon viel länger, als ich es eigentlich wollte. Seit Jahren begleitet mich der Wunsch, wegzugehen, Neues auszuprobieren, in einer anderen Stadt anzukommen. Gleichzeitig schleicht sich die Sorge ein, ob ich es bereuen würde, wenn ich wirklich gehe.
Was, wenn ich etwas verliere, das ich jetzt noch gar nicht richtig zu schätzen weiß? Es ist dieses ständige Hin und Her zwischen Aufbruch und Heimatgefühl, zwischen der Sehnsucht nach Veränderung und der Angst vor dem Abschied.
Ist das etwas, worüber ich mir als 28-jähriger Sorgen machen sollte? Oder spricht hier ein viel zu hohes Privileg, ein viel zu hoher, selbst erstellter Druck aus mir?
Steht am Ende nichts außer Glück?
Eine Sorge, die vielleicht eher philosophisch klingt: Am Ende des Tages wollen doch alle nur glücklich sein. Vor allem aber man selbst. Für sich. Aber was, wenn das nicht reicht? Was, wenn man irgendwann merkt, dass Glück allein zu wenig ist, um das Leben zusammenzuhalten? Und was ist Glück überhaupt? Jetzt klinge ich wie mein Ethiklehrer im Abitur.
Diese Frage treibt mich öfter um, als mir lieb ist. Nicht, weil ich unglücklich wäre, sondern weil ich manchmal das Gefühl habe, dass wir alle ständig nach Glück jagen, ohne zu wissen, ob es wirklich das ist, was wir am Ende brauchen. Ich komme nicht umhin, mich zu fragen: Ist die Abwesenheit von Glück der Motor des Lebens?
Bestimmt. Zumindest für den Moment. Und in dem sollen wir ja leben.
