Was ist männlich? Ein Ansatz von Mister Matthew

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Was ist männlich? Ein Ansatz von Mister Matthew

Was ist männlich? Kurzum: Ich habe absolut keine Ahnung. Denn Männlichkeit kennt heute keine Grenzen mehr. Männlichkeit war einmal so einfach. Zumindest wirkte es so. Ein Mann war stark, beschützte und zeigte möglichst wenig Gefühle. Und wenn doch, dann in Form von Aggression. Die Frau daheim kann man schon schlagen und den Schwulen auf dem Schulhof sowieso. Das hat sich gewandelt. Gott (?) sei Dank.

Fotografie: Vanessa Thiel
Text: Mister Matthew

Gedanken zu: Was ist männlich?
Was ist männlich? In den Augen vieler ein Mann in High Heels leider nicht. Und was ist, wenn er Fußball dabei spielt? Für die meisten ein nur kleiner Trost. Foto: Vanessa Thiel

Dem Gott sei es gedankt, wenn man den großen Herrn im Himmel auch als eine Frau versteht. Sandro Botticelli tut dies in seinem Gemälde „Die Geburt der Venus“, lange bevor Ariana Grande „God is a woman“ und Lady Gaga „Goddess of love, please take me to your leader“ singen. Damit ist nicht etwa gemeint, dass das Wesen im Himmel eine Vagina, statt eines Penis, besitzt, sondern, dass der Schöpfer der Welt männliche als auch weibliche Energien in sich tragen muss, wenn er diese einst erschuf.

Die stärksten Männer mussten Weiblichkeit nie fürchten, denn sonst hätten sie auch Angst vor sich selbst. Oh, Moment. Das haben sie. Vielen Männer stößt es sauer auf, wenn man sie zu sehr mit weiblich gelesenen Attributen assoziiert. Ein Mann, der weint, ist nicht stark. Du hast Angst? Dann sei mal ein Mann! Weniger wie eine Frau. Im Grunde ist es misogyn. Eine Ansicht, die auch ich nicht mehr hören kann. Aber ein Matriarchat wäre auch mir zu links.

Die stärksten Männer mussten Weiblichkeit nie fürchten, denn sonst hätten sie auch Angst vor sich selbst.

Wir müssen die Dinge anders denken. Und hier möchte ich gerne einen Ansatz ins Spiel bringen. Ich nenne ihn: Der Zauberer hinter dem Vorhang. Du checkst? Nein? Dann hattest du ein Buch mit grünem Einband zu wenig in deiner Kindheit. Ich erkläre es gern.

Der Zauberer hinter dem Vorhang bezieht sich auf den berühmten Moment im Klassiker „Der Zauberer von Oz“. Mein Lieblingsmärchen. Wie könnte es auch nicht sein, wenn es selbst Lady Gaga bei einem Auftritt interpretiert. Im Märchen wird am Ende enthüllt, dass der mächtige Zauberer nur ein gewöhnlicher Mann ist, der hinter einem schweren Vorhang eine große Maschine bedient. Der Satz „beachtet nicht den Mann hinter dem Vorhang“ steht metaphorisch für die Entlarvung dieser Macht. Obwohl ich es oft als Ego verstanden habe. Wir müssen also die Männer entlarven. Macht’s jetzt klick? Klick!

Menschen funktionieren selten über direkte Anweisungen. Habe ich selbst als Kind schon gehasst. Und vielleicht ist genau hier bei uns Erwachsenen ein Denkfehler entstanden, den wir lange nicht hinterfragt haben. Veränderungen bei Menschen (bzw. bei Männern, lol) funktionieren nicht über Appell, sondern über Druck, den man ganz manipulativ ausübt. Wir sollten Männern also nicht sagen, dass sie weicher oder emotionaler sein sollen, sondern dass sie dies ohnehin niemals könnten, selbst wenn sie es wollten. Verstehst du, wie ich es meine?


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Was ist männlich?
Früher habe ich Fußball gespielt. Dann habe ich immer die High Heels meiner Schwester getragen. Jetzt mache ich davon beides nicht mehr. Jungs küsse ich noch immer gern. Foto: Vanessa Thiel

Damit spekuliere ich auf einen Gegen-Mechanismus, der bei einem „richtigen Mann“ das Jagdverhalten auslösen dürfte, das haben zu wollen, was er nicht hat oder vermeintlich haben kann. Männer bewegen sich eher selten in die Richtung von dem, was ihnen gesagt wird, sondern in Richtung von dem, was ihnen entzogen wirkt. Superleicht beim Flirten und beim Dating zu erkennen. Die wohl größte Feldforschung der Menschheit. Also sagen wir ihnen, was sie nicht haben (können): Emotionen, vermeintliche Schwäche und Offenheit. Und schon schafft es beim toxischen Mann einen Anreiz. Was ist männlich? Vielleicht genau das.

„Männer bewegen sich eher selten in die Richtung von dem, was ihnen gesagt wird, sondern in Richtung von dem, was ihnen entzogen wirkt.

Der allgemeine Duktus lautet sinngemäß, Männer könnten weder weich noch emotional oder offen sein. Eigenschaften, die angeblich Frauen vorbehalten sind und welche diese in deutlich überlegener Form beherrschen. Wir vermitteln damit dem Mann, ihm fehle etwas Grundlegendes. Und schon erscheint seine Unfähigkeit als Schwäche. Na und schwach will ja nun kaum ein Mann sein. Nicht wahr? Genau mit diesem billigen Trick spielen wir: ein trojanisches Pferd, das anklagt und in Männern einen inneren Konflikt auslöst.

Und ehe man den Startschuss ausrufen kann, werden die Männer versuchen, die Frauen emotional zu überholen. Um zu zeigen, dass sie das auch können. Olympia der weiblichen Energie. „Das würdest du als Mann niemals schaffen.“ Und zack, rennen sie davon, um das Gegenteil zu beweisen. Dann sind plötzlich die Gehirnareale, welche für Emotionen zuständig sind, mit männlichen Führungspositionen besetzt. Der CEO der Männlichkeit, auch bekannt als Chief Emotions Officer. Ein Kampf mit sich selbst.„Mein Kampf“, wie ein dummer Mann einst sagte.

Was ist männlich? Ein Ansatz von Mister Matthew

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Mister Matthew

Mister Matthew ist der Autor hinter dem gleichnamigen Blog. Seit 2014 schreibt er über Mode, Kosmetik, Lifestyle sowie Interior und präsentiert die besten Käufe zwischen Luxus- sowie Newcomer-Marken. Einzigartig in der deutschen Medienlandschaft reicht Mister Matthew dem modernen Gentleman mit hochwertigem Content die Hand. Damit inspiriert er und lädt zum Träumen ein. Über Blog, Social Media und Newsletter erreicht er eine treue Leserschaft. Wenn Luxus auf Haltung trifft, begegnet man Mister Matthew.

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